Alma Siedhoff-Buscher, Wurfpuppen, Bauhaus, Weimar, 1924. Foto: Die Neue Sammlung – The Design Museum (A. Laurenzo)


Zum 100-jährigen Geburtstag der Reformschule Bauhaus zeigt Die Neue Sammlung – The Design Museum erstmals ihre bedeutendsten Bauhausobjekte im Dialog mit zeitgenössischer Kunst.
In Kooperation mit dem Künstler Tilo Schulz (geb. 1972 in Leipzig, lebt in Berlin) entstand eine zwölfmonatige Ausstellung, die 40 historische Objekte und fünf zeitgenössische Werke miteinander verschränkt.

1925, im Gründungsjahr der Neuen Sammlung, musste das Bauhaus Weimar verlassen und nach Dessau umziehen. Die Stadt München hatte sich ebenfalls als Alternative zu Dessau angeboten – in München war bereits der Bauhausverlag angesiedelt. Und mit der jungen Institution Die Neuen Sammlung erwarb ein Münchner Museum als eines der wenigen Museen zeitgenössische, heute als Ikonen des modernen Designs angesehene Arbeiten des Bauhauses. Aus dieser Zeit stammen Textilien von Anni Albers und Gunta Stölzl, Spielzeug von Alma Buscher und Ludwig Hirschfeld-Mack oder Metallarbeiten von Otto Rittweger und Wilhelm Wagenfeld. Bis in die jüngste Zeit hinein erweiterten wichtige Arbeiten von Theodor Bogler, Marcel Breuer, Josef Hartwig, Naum Slutzky und Wilhelm Wagenfeld den Bestand an historischen Objekten, die nun in München zum ersten Mal nahezu vollständig der Öffentlichkeit vorgestellt werden – einige Objekte sind erstmals überhaupt zu sehen, und in Hinblick auf die Ausstellung konnten mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung zwei kapitale Stücke erworben werden.

Tilo Schulz entwarf eine Rauminstallation, in der diese Inkunabeln der Designgeschichte mit fünf zeitgenössischen Positionen in Dialog treten. Fünf internationale Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Disziplinen wurden eingeladen, sich jeweils mit ihrem bevorzugten Bauhausobjekt auseinanderzusetzen und daraus eine eigenständige Arbeit zu entwickeln. Die türkisch-deutsche Modedesignerin Ayzit Bostan befasst sich mit dem Lattenstuhl von Marcel Breuer und entwirft ein zeitgenössisches Äquivalent. Die deutsche Schriftstellerin Barbara Köhler lässt sich von der Doppelleuchte Christian Dells zu einem „Wort-Spiegel-Bild“ inspirieren. Die indische Architektin Anupama Kundoo analysiert einen Stoff der Werkstattleiterin Gunta Stölzl für ein architektonisches Modell. Eine performative Soundinstallation leitet der japanische Komponist Junya Oikawa vom Bauhaus-Schachspiel Josef Hartwigs ab. Und die dänische Künstlerin Sofie Thorsen untersuchte die „Didyms“, räumliche Durchdringungen, von Hermann Finsterlin hinsichtlich Raum und Volumen. Schulzes konzeptioneller Ansatz verbindet Vergangenheit und Gegenwart und ermöglicht die Lesbarkeit von überlieferter Herkunft und heutiger Reflexion. Auf diese Weise entstand nicht nur eine bemerkenswerte Konversation von Design mit den Künsten von heute und einigen der knapp hundert Jahre alten Objekte, sondern auch ein neuer Blick auf die Geschichte und Rezeption dieser Reformschule, die unser Verständnis von Design bis heute beeinflusst.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation bei Koenig Books, gestaltet von Ulrike von Dewitz, mit Beiträgen von Hubertus Adam, Nico Bleutge, Yannick Hofmann, Angelika Nollert, Tilo Schulz, Eva Maria Stadler, Josef Straßer, sowie Barbara Vinken.

Gefördert im Fonds Bauhaus heute der Kulturstiftung des Bundes.


Pinakothek der Moderne, München
Ausstellung
08.02.2019 – 02.02.2020