Die Stille des Zen und der Nachhall von Hiroshima – dies sind, überspitzt formuliert, die Pole, zwischen denen japanische Gestaltung seit dem Zweiten Weltkrieg oszilliert. Vor allem die Plakate gehören weltweit zu den raffiniertesten, ästhetisch reizvollsten und auch anspruchvollsten Werken des Graphikdesign.

Sowohl eigene Traditionen, etwa die einzigartige japanische Schriftkunst, als auch westliche Anregungen, z.B. aus der Pop Art, bilden den Hintergrund einer unnachahmlichen, sofort erkennbaren Ästhetik mit höchst empfindsamem Gespür für dekoratives Farbenspiel, für Flächenwirkungen und die Verdichtung zu suggestiven Bildzeichen. Kalligraphische Expressivität oder Op Art-Effekte, Eleganz oder Lakonie, sublime Verlockung oder dreiste „Anmache“ – so könnte man die stilistische Bandbreite umreißen.

 

Die Ausstellung aus den Beständen der Neuen Sammlung zeigt eine Auswahl der „100 besten japanischen Plakate 1949-1989“, die durch fünf führende japanische Graphikdesigner juriert und 1990 von Toppan Printing, Tokio, in einer drucktechnischen Meisterleistung ediert wurden – darunter auch jener Entwurf von Ryuichi Yamashiro zum Schutz der Bäume, den HAP Grieshaber einmal „das schönste Plakat der Welt“ nannte.

 

Neues Museum. Nürnberg

Ausstellung

18.06.2002 – 10.11.2002