Oskar Schlemmer. Gliederpuppe, 1922/23. Foto: Die Neue Sammlung-The Design Museum (A. Laurenzo)

Blick in die Ausstellung „Reflex Bauhaus. 40 objects – 5 conversations“. Foto: A. Laurenzo

Oskar Schlemmer (1888 – 1943)

Gliederpuppe, 1922/23

Holz, farbig gefasst

H. 37,5 cm, B. 37,5 cm, T. 6,5 cm

Dauerleihgabe PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V.

Der Maler, Zeichner, Bildhauer, Bühnenbildner und Wandgestalter Oskar Schlemmer spielt für die Anfänge der europäischen Moderne, aber auch als Lehrer für Gestaltungsgrundlagen und Theorie eine enorm wichtige Rolle. Nach seinem Studium an der Stuttgarter Akademie bei Adolf Hölzel wurde er noch 1920 von Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen. 1921 begann er dort mit seiner Lehrtätigkeit als Leiter der Werkstatt für Wandmalerei, die er später als Formmeister in der Werkstatt für Holz- und Steinbildhauerei fortsetzte. Von 1923 bis zu seinem Weggang 1929 stand er der Bühnen-Werkstatt des Bauhauses vor.

Für das Verständnis seiner Gliederpuppe, die er ursprünglich als Geburtstagsgeschenk für eine seiner Töchter entwarf, ist seine praktische und theoretische Auseinandersetzung mit dem Bühnenkostüm unerlässlich. Beispielhaft lässt sich seine Ästhetik des geometrisierten Körpertheaters im Bühnenraum anhand des „Triadischen Balletts“ veranschaulichen, das am 30. September 1922 in Stuttgart uraufgeführt wurde.

Schlemmer ging es prinzipiell um die Umwandlung des menschlichen Leibes in einen abstrakten Kunstkörper mittels der Kostüme. 1925 erschien dazu sein Text „Mensch und Kunstfigur“ im Band 4 „Die Bühne im Bauhaus“ in der Reihe der Bauhausbücher. In einer seiner Prämissen des Kostümbaus schreibt er, dass die „Funktionsgesetze des menschlichen Körpers in Beziehung zum Raum“ für ihn mit einer „Typisierung der Körperformen“ einhergehen. Schlemmer führt „die Eiform des Kopfes, die Vasenform des Leibes, die Keulenform der Arme und Beine, die Kugelform der Gelenke“ an, die letztendlich in der Gliederpuppe als Ergebnis münden.

Die genannten Punkte treffen genau auf die Beschreibung der hier vorgestellten Puppe zu. Mag auch die starke Buntfarbigkeit möglicherweise als Tribut an ein Kinderspielzeug zu sehen sein, so kann hier Schlemmers Grundanliegen, die Ergründung des Verhältnisses der menschlichen Figur zum Raum – auch im kleinen Format – nachvollzogen werden.

Ausgeführt wurden diese in wenigen Exemplaren bekannten und geringfügig variierten Gliederpuppen von Josef Hartwig (1880–1956), der von 1921 bis 1925 als Werkmeister in der Holz- und Steinbildhauerei des Bauhauses arbeitete und 1923 das berühmte Bauhaus-Schachspiel entwarf.

Dank der großzügigen Unterstützung von

PIN. Freunde der Pinaktothek der Moderne e.V. konnte die Gliederpuppe als Dauerleihgabe in die Bestände der Neuen Sammlung aufgenommen werden.

Zu sehen ist sie bis zum 2. Februar 2020 im Kontext unserer Ausstellung „Reflex Bauhaus. 40 objects – 5 conversations“.

Ausstellung. Pinakothek der Moderne, München

08.02.2019 – 02.02.2020

Reflex Bauhaus. 40 objects – 5 conversations