Yohji Yamamoto, Rauminstallation „Körper und Hülle“. Foto: Bernd Scheyer


Tradition und Moderne der Kultur Japans sollten sich in dieser Ausstellung widerspiegeln. So wurden in drei Komplexen Gegenstände des alltäglichen Lebens gezeigt, hervorragende Beispiele jener hochverfeinerten Formenkultur, die schon seit langem so starke Anziehungskraft auf den Westen ausübt: einerseits historische Stücke, andererseits heute gefertigte Objekte, die der althergebrachten Tradition verpflichtet sind, drittens moderne Arbeiten, die jedoch die Tradition durchaus nicht negieren.

Bei den historischen Objekten handelte es sich um Beispiele aus dem Mingei-Museum (Mingeikan) in Tokyo – Stücke, die noch nie außerhalb Japans gezeigt worden waren: Gefäße aus Keramik und Metall, Lack- und Flechtarbeiten, aber auch Textilien als Hülle und Schutz des Körpers.

Makio Araki aus Kobe, einer der bedeutendsten Verpackungskünstler Japans und Lebender Nationalschatz, fertigte eigens für die Ausstellung Exponate, die anschließend als ganz besondere Bereicherung in den Bestand der Neuen Sammlung übergingen. Es waren ausschließlich in traditioneller Weise gestaltete Verpackungen aus Papier und Naturmaterialien wie frisches Laub, Bambusrohr und Bambusdeckblätter, Reisstroh, Flaschenkürbisse, Glyzinienranken etc. In diesen ungemein sorgsam gearbeiteten Dingen, deren Reiz nicht zuletzt darin besteht, daß sie zugleich Artefakte und „Stücke von Natur“ sind, wird die singuläre Bedeutung, die dem Verpacken in Japan zukommt, sichtbar.

Den unmittelbaren Bezug zur Moderne, zur Gegenwart leistete der Modeschöpfer Yohji Yamamoto, der sich selbst lieber als „Kleidermacher“ bezeichnet. Er entwarf für die Ausstellung einen Raum zum Thema „Körper und Hülle“ und inszeniert ihn in Zusammenarbeit mit dem Filmausstatter Kan Takahama und dem Lichtgestalter Nihei.
Der neunzigminütige Filmessay von Wim Wenders über Yamamoto, „Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten“ (1990), hatte den Wunsch erweckt, von diesem Künstler, der die Flüchtigkeit des Zeitgeschmacks in seiner Branche ablehnt, einen Raum in der Neuen Sammlung gestalten zu lassen.

Die Ausstellung gastierte in der Folge – mit Ausnahme der Mingeikan-Leihgaben, die nach Rom weitergingen – im Hällisch-Frankischen Museum in Schwäbisch-Hall und im Atelier am Wasser in Zürich im Rahmen der dortigen Japanwochen.

Gastkuratorin Dr. Gabriele Fahr-Becker, unterstützt von Natsue von Stegmann-Hanada.
Gefördert durch Japan Foundation Tokyo, Japanisches Kulturinstitut Köln, Japanisches Generalkonsulat München und Ushio Inc.

Plakat

Japan: Hülle und Gefäß. Tradition – Moderne. Yohji Yamamoto, Makio Araki, Mingeikan
München
25.11.1992 – 02.02.1993