Ennio Lucini, table lamp „Cespuglio di Gino“, 1968. Manufacturer: Guzzini Design House, Italy. Photo: Die Neue Sammlung – The Design Museum (A. Laurenzo)


Das FUTURO-Haus von Matti Suuronen verkörpert besonders markant die Zukunftsvisionen der 1960er Jahre – dem Zeitalter der Raumfahrt, dem sogenannten „Space Age“. Wir stellen hier begleitend zur Präsentation des FUTURO eine monatliche Auswahl an futuristischen, zukunftsbezogenen Designobjekten aus dem Depot vor. Als grundsätzliche Prämisse dient uns dabei die Erkenntnis, dass jedes Zeitalter seine eigenen, durchaus auch unterschiedlichen Vorstellungen von dem hat, was futuristisch, was visionär ist.
 
Objekt im März: „Cespuglio di Gino“, Tischleuchte
Designer: Ennio Lucini
Entwurf: 1968
Produktion: 1968 – ?
Hersteller: Guzzini Design House (Ort: Recanati / Italien)
 
Fluoreszierendes Meerestier, brennender Busch, Atomwolke, leuchtend blonder Lockenkopf…
Diese Leuchte lässt die unterschiedlichsten Assoziationen im Kopf der Betrachter entstehen.
Teilweise werden diese durch den Namen der Leuchte bestätigt: Das italienische Wort „Cespuglio“ bedeutet Busch, oder auch Mähne. Zugleich bezieht sich „di Gino“ wohl auf den italienischen Maler und Skulpteur Gino Marotta. Der Künstler teilte die Begeisterung für neonfarbenes Plexiglas und fertigte viele seiner Skulpturen aus diesem Material. Auch die Leuchte Lucinis wurde teilweise als Skulptur und nicht als Tischleuchte verkauft.
 
Um sich selbst ein „Cespuglio“ zu bauen, nehme man eine runde Basis aus poliertem, weißem Metall, die die Lichtquelle einfasst, und ordne kreisförmig 16 neongrüne Acrylglaselemente um die Lichtquelle an. Das Material der Leuchte – Acryl – faszinierte Designer seit den 1930er Jahren durch seine optische Leichtigkeit und die wechselnde Farbigkeit in unterschiedlichen Lichtsituationen. Lucini machte sich zudem eine weitere Eigenschaft von Plexiglas zunutze: fällt Licht auf Acryl, so leuchten die Kanten. Das Licht wird also nach außen geleitet. An den zerklüfteten Rändern des Plexiglases entstehen so spannende optische Reflexe und die dreidimensionale Wirkung kann sich vollkommen entfalten. Ganz ähnlich funktionieren auch die Stühle von Cesare Maria Casati & C. Emanuele Ponzio (1968/69) für die Diskothek Il Grifoncino: Sie wurden von unten mit Schwarzlicht bestrahlt und die durchsichtigen Plexiglas-Lehnen begannen im Takt der Musik zu blinken.
 
Bei Produktionsbeginn der Leuchte befinden wir uns im „goldenen Zeitalter“ des italienischen Designs (1968-1973) und die Produkte werden provokanter und experimenteller. Auch bei Guzzini ändert sich die Formsprache grundlegend: Das Ziel ist nun die Besonderheiten des Materials sichtbar zu machen und nicht länger unter Verzierungen der Materialoberfläche zu verstecken. Es wird viel mit Farben und deren Wirkung experimentiert, und die mechanischen Eigenschaften von Plastik werden immer weiter erforscht.
 
Ursprünglich wurde Ennio Lucini von Fratelli Guzzini angestellt, um die Vermarktung der Produkte und die Corporate Identity zu entwerfen. Er hatte sich nämlich bereits durch seine Arbeit bei der bekannten Designzeitschrift Domus einen Namen gemacht. Doch mit seiner Tischleuchte konnte er auch sein Talent als Produktdesigner unter Beweis stellen.