Meilensteine. Automobil-Design. Beispiel Mercedes-Benz


Schon von weitem machen sie neugierig – überraschend in ihrer radikalen Haltung – extrem seltene Beispiele der Automobile mit dem Stern.

Blick in die Ausstellung. Foto: Rainer Viertlböck

In dieser Zusammenstellung waren sie vorher noch nie zu sehen, stringent auf Aerodynamik, Rasanz und den Gestaltungsprozess konzentriert:


Der Blitzen Benz – über 200 km/h schnell – fast hundert Jahre alt!

Blick in die Ausstellung. Foto: Rainer Viertlböck

Der silberne Grand Prix Rennwagen „W 196 R“ mit seiner Stromlinienkarosserie, 1954.

Die nachtschwarze Lackskulptur des Autobahn-Kurier von 1938 – Stückzahl: 2.

Blick in die Ausstellung. Foto: Rainer Viertlböck

Ebenso rar der futuristisch pfeilförmige, auf Höchstleistung getrimmte C111-3 von 1978 – eine Designstudie.

Die Stilikone 300 SL Coupé – auch Flügeltürer genannt, 1955. Das Coupé CLS von 2004, ungewöhnlicherweise viertürig. Das Bionic Car – ein singuläres Forschungsfahrzeug von 2005, das die Strömungseigenschaften der Natur, genauer: die Aerodynamik des Kofferfisches zum Vorbild seiner experimentellen Form nimmt.


Neben den Automobilen rückt die Entwurfsarbeit mit Skizzen, Renderings, Tapes und Modellen in den Fokus. So zeigt Die Neue Sammlung eine begehbare Installation, die die Fahrzeuge als Resultat gestalterischer Prozesse in den Mittelpunkt stellt.
Für ein modernes Designmuseum, als das sich Die Neue Sammlung seit ihrer Gründung aus den Wurzeln des Deutschen Werkbundes im Jahre 1907 versteht, spielt die Beschäftigung mit dem Thema Automobildesign zwangsläufig eine zentrale Rolle. Kein anderer industriell hergestellter Gegenstand hat das Leben im 20. Jahrhundert derart nachhaltig geprägt wie das Automobil, und dies nicht nur in technischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher, sondern natürlich auch in gestalterischer Hinsicht.
 Als „rolling sculptures“ fanden Fahrzeuge zwar erst seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts auch vereinzelt Aufnahme in Ausstellungen von Museen, die sich vorwiegend mit Gestaltungsfragen auseinandersetzen. Jedoch nahezu von Anbeginn wurde das Automobil auch als ästhetisches Objekt gesehen, wie das berühmte Diktum von Marinetti aus dem Jahr 1909 belegt. 
Als bisher einziges nicht-technisches Museum hat Die Neue Sammlung dem Thema Car Design mit Eröffnung der Pinakothek der Moderne eine eigene Abteilung eingerichtet, in der Meilensteine der Fahrzeuggestaltung unter dem Gesichtspunkt der Stromlinie gezeigt werden. Nach Betrachtung unterschiedlichster Aspekte zu diesem Thema in den vergangenen Jahren lag es nun nahe, gemeinsam mit dem Unternehmen eine Ausstellung vorzubereiten, das wie kein anderes die Geschichte des Automobils geschrieben und definiert hat.


Es ist daher folgerichtig, daß sich der Fokus dieser Ausstellung nicht auf die Großserie richtet, sondern auf die Suche nach dem Vollkommenen, die sich zwangsläufig nur in Unikaten oder Kleinstserien manifestieren konnte und Maßstab oder Beispiel für viele andere setzte. So entstand Anfang des 20. Jahrhunderts – zwei Jahre nach Gründung unseres Hauses und Entstehung der „Demoiselles d’Avignon“ von Picasso, gleichzeitig mit dem erwähnten Futuristischen Manifest von des italienischen Künstlers Marinetti und den ersten Beispielen abstrakter Malerei – der Blitzen-Benz, und die Zukunft wird zeigen, ob das 2005 entwickelte Bionic Car eine ähnlich zentrale Rolle einnehmen wird.


In dieser Auswahl in der Pinakothek der Moderne in München ist die Ausstellung ein wohl singuläres Ereignis, da all diese Fahrzeuge sonst rund um den Globus weitgehend in Privatsammlungen verstreut sind – ein hochspannender Blick auf die Formengeschichte des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts.


Pinakothek der Moderne, München

Ausstellung

25.06.2008 – 14.09.2008