Ausstellungsansicht „CIRCOLUTION – Concepts for a Sustainable Future“, 2019. Foto: Die Neue Sammlung (A. Laurenzo)


Ausstellungsansicht „CIRCOLUTION – Concepts for a Sustainable Future“, 2019. Foto: Die Neue Sammlung (A. Laurenzo)


Sehr effektvoll leuchtet zur Zeit ein heller, ungefähr zwei Meter grosser, vertikal aufgestellter Ring im Untergeschoss der Designpräsentation und lockt die Besucher schon von Weitem hin zu dem Halbrund unterhalb der Rotunde.
Nah genug herangetreten, zeigt sich, dass es sich um eine kreisförmige Anordnung von leeren Plastikflaschen handelt, die in ein einfach konstruiertes Gitter aus Metall stecken. Leuchtmittel sind dezente LEDs.
Die vor dem Leuchtobjekt liegende Schrifttafel erklärt: „Dieser Ring aus 480 Flaschen steht für den ungefähren Wasserverbrauch einer Avocado. Je nach Studie wird dieser auf 600 – 1000 l/kg geschätzt.“ Hinter dem Objekt liegen zwei echte Avocadofrüchte, deren Volumen in nur einer der Plasiklaschen mehr als bequem Platz fänden.

Nur vordergründig geht es hier also um gelungenes Design. Inhaltlich transportiert das Leuchtobjekt auf anderer Ebene zielende kritische Aussagen und zeigt, wie sich Verhältnismässigkeiten oder vielmehr Un-Verhälnismässigkeiten mit den Mitteln der Gestaltung darstellen lassen. Die sprachlich knapp formuliert ausgeübte Kritik lautet: Avocados sind hip – aber ökologisch fragwürdig.

Mit der Gundform des Kreises symbolisiert das Leuchtobjekt das Thema der kleinen Ausstellung, die auf dem obersten Stufenring der sogenannten Thonet-Rotunde angeordnet ist: Es geht um die Kreislaufwirtschaft. So titelt die Ausstellung „CIRCOLUTION – Concepts für a Sustainable Future“, wobei Circolution ein Neologismus ist, zusammengesetzt aus den englischen Wörtern circular – das in Circular Economy steckt – und solution – die Lösung der Probleme, für die die Kreislaufwirtschaft stehen könnte.

Entwickelt wurde die Ausstellung von Studierenden der Technischen Universität München, wo sie im ersten Mastersemester Industriedesign studieren.
Konsequent schön präsentieren sie dem Betrachter auch eine Reihe von unterschiedlichsten Gegenständen, die – akurat arrangiert und nach Farben geordnet – ihren kritischen Kontext auch nicht auf den ersten Blick verraten. Denn hier handelt es sich um eine Sammlung von Dingen, die zwar alle fast wie neu wirken, aber von ihren Besitzern seit mehr als einem Jahr nicht mehr verwendet wurden.

Neben der visualisierten Problematisierung des Themas werden dem Betrachter aber auch ein paar Konzepte und realisierte Projekte gezeigt, die bereits in bestimmten Phasen zirkuläre Prozesse einsetzen – namentlich: „Swapp“, „Kartoffelkombinat“, „Treibgut“ und „Packwise“.

Pia Ratzesberger, Redakteurin der Süddeutschen Zeitung, hat mit den Studierenden gesprochen und einen lesenswerten SZ-Artikel geschrieben, der nicht nur viele von ihnen zu Wort kommen lässt, sondern auch vertiefend in die Thematik einführt.

Nur noch bis Ende März ist die Ausstellung, die zum Nachdenken einlädt und anreget, zu sehen.