Pravu Mazumdar. Foto: A. Laurenzo
Lecture. Pravu Mazumdar
Die Oberfläche eines Menschen zeigt sich als ein hybrides Gebilde aus biologischen und kulturellen Elementen wie Kleidung, Schminke, Schmuck, Gang, Haut, Haltung, Stimme. In Konsumgesellschaften gibt es nicht nur Produktoberflächen, sondern auch menschliche Oberflächen, die als ‚Verpackung’ dienen und Diskurse über das Innere ausstrahlen, die die Menschen in Grenzen stecken und ihre Individualität definieren.
 
Doch sind die Oberflächen nicht nur lesbar, sondern werden auch täglich hergestellt: im Rahmen einer eigentümlichen Betriebsamkeit, die nicht nur von den Einzelnen oder auch der globalen Schönheitsindustrie getragen wird, sondern auch von den politischen Maschinerien der Identität. Diese entnehmen dem Diskurs der Oberfläche bestimmte konstante, messbare und wieder erkennbare Züge der Individualität, dokumentieren sie in Pässen und Ausweisen und sperren das moderne Individuum in die Schale seiner Identität ein. Schmuck, vor allem in seinen zeitgenössischen, kritischen, Traditionen überschreitenden Varianten, kann eingesetzt werden, um die Schale der Identität aufzubrechen und das Individuum in ein offenes Spiel der Steigerung und des Maskenwechsels zu verwickeln. Somit kann Schmuck als Gegenkraft und Gegensatz zum Identitätsdruck des modernen Alltags wahrgenommen werden. Solche und andere Gedanken beleuchtet der Philosoph Pravu Mazumdar anhand von Beispielen und Bildern aus dem Bereich zeitgenössischer Schmuckkunst.
 
Pravu Mazumdar, philosophischer Essayist, München. 1952 in Kolkata (Indien) geboren. Forschungsschwerpunkte: Theorien der Moderne, Geschichte der Philosophie, Politische Theorie (Michel Foucault), Sprach- und Kunstphilosophie, zeitgenössischer Schmuck.
 
Das Interesse an diesem Vortrag war überwältigend. Für alle, die nicht dabei sein konnten. Právu Mazumdar hat uns seinen Vortrag (english version) als Download bereitgestellt.
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