Skandinavischer Autorenschmuck ist ohne sie und ihre Arbeiten nicht vorstellbar. Tone Vigelands Schmuckobjekte waren bereits zu Beginn der 1960er Jahre fester Bestandteil heute längst legendär gewordener Ausstellungen und Publikationen wie etwa der 1961 in der Goldsmiths Hall London stattgefundenen Ausstellung „International Exhibition of Modern Jewellery“. Dort wurde die seinerzeit noch junge Kunstrichtung des Autorenschmucks erstmals einer Öffentlichkeit vorgestellt.
In ihrem 80. Lebensjahr richtet nun Die Neue Sammlung der Grande Dame der skandinavischen Schmuckkunst ihre erste Einzelausstellung auf dem europäischen Kontinent außerhalb Skandinaviens aus – 50 Jahre nachdem 1967 Vigelands erste Solo-Ausstellung im Kunstnerneshus (Künstlerhaus) in Oslo stattfand.
 
Tone Vigelands Arbeiten umschmeicheln fließend den menschlichen Körper und sind doch aus Metall – aus Silber, Gold und Stahl. Durch Hautkontakt gewinnt das Metall sein Spiel mit dem Licht zurück, erhält das Schmuckobjekt ungeahnte metallische Farbvalenzen. Jedes Stück individualisiert durch seinen Träger. Die Arbeiten bestechen durch ihre Größe und Volumina, bestehen aber aus einer unvorstellbaren Vielzahl von kleinsten, handgearbeiteten Teilen – aus Silberdraht gedrehten Röhrchen, exakt geschnittenen rechteckigen und runden Plättchen oder winzigen Kügelchen und Ösen – unsichtbar für den Betrachter miteinander verbunden. Tone Vigelands Kunst am Körper wirkt modern und zugleich archaisch.
 
1938 in eine der berühmtesten Künstlerfamilien Norwegens geboren, begann die künstlerische Ausbildung Tone Vigelands 1955 am Statens Håndverk-og Kunstindustriskole Oslo (heute Kunsthøgskolen in Oslo – National Academy of the Arts). Um das Goldschmieden zu erlernen, wechselte sie 1957 an die Oslo Vocational School (Berufsschule). 1958 wird sie Mitglied der avantgardistischen Künstlerkooperative Plus in Frederikstad, wo eine Reihe noch zu Studienzeiten entstandener Entwürfe in Serie gehen. Ohrringe, die aus einem einfachen Loupe in Silber gearbeitet und in ihrer zurückhaltenden Schlichtheit und Linearität in der für Skandinavien nach dem Zweiten Weltkrieg typischen Anmutung entworfen sind, wurden bis 1985 erfolgreich produziert. 1961 eröffnete Tone Vigeland eine eigene Werkstatt und wandte sich dem Unikat zu. Seither entstanden ihre weltberühmten und mehrfach ausgezeichneten Schmuckarbeiten. Diese sind nun erstmals in einer Einzelausstellung mit 150 Arbeiten zu sehen. In einer vielbeachteten Ausstellung in der Galerie Riis 1995 in Oslo ging die Künstlerin einen bedeutenden Schritt in eine andere Dimension – zur Kunst im architektonischen Raum – und vollzog zugleich die Abwendung von der schmückenden Kunst bezogen auf den menschlichen Körper. Der Schritt vom Körper zum freien Raum ist ein scheinbar großer und letztendlich doch ein naheliegender für Tone Vigeland..
 
Höchste Ehrungen wie die 1988 überreichte Prinz Eugen Medaille von Schweden, 1996 die Ernennung zum Commander of the Royal Norwegian Oder of St. Olav, 2002 die Überreichung des Anders Jahre Kunstpreis und 2008 die Verleihung des Goldenen Ehrenrings der Goldschmiedeinnung in Hanau begleiten das künstlerische Werk dieser außergewöhnlichen norwegischen Künstlerin.
 
Arbeiten von Tone Vigeland befinden sich in den Sammlungen namhafter Museen der Welt: The Museum of Arts and Design, New York, USA | Cooper-Hewitt, Smithonian Design Museum, New York, USA | Designmuseum Danmark, Kopenhagen | Frederikstad Museum, Norwegen | Nasjonalmuseet for kunst, arkitektur og design Oslo, Norwegen | Musée des Arts Déoratifs, Paris, Frankreich | Musée des Beaux-Arts de Montréal, Canada | Museum of Fine Arts, Houston, USA – Helen Williams Drutt Collection | Museum of Modern Art, New York, USA | Nationalmuseum Stockholm, Schweden | Nationalmuseum Tokio, Japan | Nordenfieldske Kunstindustrimuset, Trondheim, Norwegen | Nordjyllands Kunstmuseum, Aalborg, Dänemark | Philadelphia Museum of Art, USA | Racine Art Museum, Wisconsin, USA | Royal Scottish Museum Edinburgh, Schottland | Schmuckmuseum Pforzheim, Deutschland | The Toledo Museum of Art, Ohio, USA | Victoria & Albert Museum, London, Great Britain und in der Neuen Sammlung – The Design Museum in München.
 
Die Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin und zeigt mit rund 130 Arbeiten einen Überblick über das schmuckkünstlerische Werk Tone Vigelands aus den Jahren 1958 bis 1995, das durch eine Auswahl an Objekten und Skulpturen aus den Jahren 1998 bis heute ergänzt wird.
 
Mit freundlicher Unterstützung durch das Norwegian Ministry of Foreign Affairs in Oslo, die Königlich Norwegische Botschaft in Berlin, das Königlich Norwegische Konsulat in München sowie der Danner-Stiftung, München und in Kooperation mit Norwegian Crafts, Oslo.
Unter der Schirmherrschaft I.M. Königin Sonja von Norwegen.
 
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.
 
Pinakothek der Moderne. München
Ausstellungseröffnung: 10.03.2017, 19:00
11.03.2017 – 11.06.2017
one Vigeland, Halsschmuck 1985/2000 Silber, geschwärzt Foto: Die Neue Sammlung - The Design Museum (A. Laurenzo)
Tone Vigeland, Halsschmuck, 1985/2000.
Silber, geschwärzt. Dauerleihgabe der Danner-Stiftung, München.
Foto: Die Neue Sammlung – The Design Museum (A. Laurenzo)
Tone Vigeland. Armschmuck (Silber), 1997. Foto: Guri Dahl
Tone Vigeland. Armschmuck (Silber), 1997. Foto: Guri Dahl
Tone Vigeland. Halsschmuck (Silber), 2001. Foto: Guri Dahl
Tone Vigeland. Halsschmuck (Silber), 2001. Foto: Guri Dahl
Tone Vigeland. Ringe (Silber, Emaille), 1974. Foto: Die Neue Sammlung – The Design Museum (A.Laurenzo)
Tone Vigeland. Objekt „Just fun“ (Stahlgeflecht), 2000. Foto: Die Neue Sammlung – The Design Museum (A.Laurenzo)