Das Unternehmen Rosenthal zählte, nach Zwangsenteignung im Dritten Reich und Restitution, zu den wichtigsten Protagonisten industrieller Formgebung nach dem Zweiten Weltkrieg.
 In der jungen Bundesrepublik steht der Name Rosenthal für demokratisches, zukunftsorientiertes Design. Die Entwürfe sollten „Originale ihrer Zeit“ sein – so das Credo von Philip Rosenthal (1916-2001). Er war die treibende Kraft in der kunst- und designorientierten Produktgestaltung und beauftragte die Protagonisten der Kunst- und Designszene mit der Gestaltung von Porzellan, Glas, Keramik und Metall, so dass bald die internationale Avantgarde im oberfränkischen Produktionsstandort Selb anzutreffen war. Künstler wie Friedensreich Hundertwasser, Salvador Dalí oder Victor Vasarely entwarfen Dekore und Kunstobjekte, Designer wie Rudolf Lunghard, Raymond Loewy, Wilhelm Wagenfeld, Hans-Theo Baumann, Sigvard Bernadotte, Tapio Wirkkala, Timo Sarpaneva, Bjørn Wiinblad, Hans (Nick) Roericht oder Walter Gropius gestalteten Service und  Porzellangegenstände. Es entstanden neue, historisch unbelastete Formen, die das deutsche Produktdesign fortan prägen.
 
Doch bevor all die Kannen, Gießer, Tassen, Teller und Vasen auf den Markt kommen, müssen diese nicht nur entworfen, sondern auch in zahlreichen Einzelschritten entwickelt werden – ein komplexer Prozess, welcher der Öffentlichkeit meist verborgen bleibt, aber eine enge Zusammenarbeit des Rosenthal Design-Studios mit den Designern und Künstlern bedingt. Hierbei werden die richtigen Proportionen ausgelotet, die Funktionen optimiert und aus zahlreichen Varianten die beste Form ausgewählt. Gips-, Holz- oder Schaumstoffformen, Glas- und Metallelemente sowie neueste im Rapid-Prototyping-Verfahren hergestellte Modelle veranschaulichen die materiellen Entwicklungen sowie den Weg der plastischen Formfindung im Industrial Design.
 
Die Vielfalt der Entwurfsmodelle bietet einen einmaligen Blick hinter die Kulissen eines Unternehmens im Dialog mit den Protagonisten des internationalen Designs, darunter die Finnen Tapio Wirkkala und Timo Sarpaneva, der ehemalige Bauhausdirektor Walter Gropius, der Amerikaner Richard S. Latham, die Italiener Marcello Morandini und Aldo Rossi, mit Hartmut Esslinger der erste Apple-Designer sowie, später, die Münchner Entwerfer Konstantin Grcic und Stefan Diez oder die Spanierin Patricia Urquiola – deutsche und internationale Designgeschichte von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart.
 
Internationales Keramik-Museum Weiden
Internationales Keramik-Museum. Blick in die Präsentation
Internationales Keramik-Museum Weiden, Blick in die Präsentation: Porzellan. Design. Entwicklungsmodelle. Foto: Rainer Viertlböck