„Politics of Design, Design of Politics“ ist der programmatische Titel der Ausstellung von Friedrich von Borries, die ab November für zehn Monate zu sehen sein wird. Die Ausstellung setzt damit die Reihe für zeitgenössische Designpositionen in der Paternoster-Halle fort, zu der Die Neue Sammlung – The Design Museum seit 2015 jährlich internationale Protagonisten des Designs einlädt.
Friedrich von Borries konzipiert nach Konstantin Grcic, Werner Aisslinger, Hella Jongerius & Louise Schouwenberg eine mehrteilige Installation, die neben der Paternoster-Halle erstmals auch die Räume der ständigen Sammlung miteinschließt.

Der Architekt, Designer und Designtheoretiker Friedrich von Borries lehrt seit 2009 Designtheorie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Unter dem Aspekt eines erweiterten Designbegriffs, der Produktdesign, Grafik, Architektur, die Gestaltung von urbanen Räumen und künstlerische Praxen umfasst, wird der zentrale Fragestellung nachgegangen, in welcher Welt wir leben wollen – und wie wir sie gestalten können.

In einer Reihe von Interaktionen mit und Interventionen in der Sammlung zeigt von Borries auf, inwieweit Design ein politisches Moment in sich trägt.
Unter dem Aspekt „Politics of Design“ weist er darauf hin, dass Designobjekte immer auch in einem politischen Zusammenhang entstanden und vielfach auch aus einer gesellschaftspolitischen Intention heraus entwickelt worden sind. Anhand von Thesen wie „Design sexualisiert“, „Design kolonialisiert“ und „Design manipuliert“ wird ein neuer Blick auf Cola-Werbung, Sony-Walkmans und Möbel der Moderne geworfen.
Diese Diskussion über das politische Moment im Design wird ausgeweitet auf den Raum der Politik. Dem Fokus auf die Objekte wird das „Design of Politics“ gegenübergestellt, das die Möglichkeiten der Gestaltung und Veränderung von Politik durch Design untersucht. Welchen Beitrag kann das Design für die soziale und kulturelle Entwicklung einer Gesellschaft leisten?
In der Paternoster-Halle finden daher unter dem Motto „Re-Design Democracy“ vier Workshops als diskursiver, öffentlicher Designprozess statt, die in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung / bpb realisiert werden. In einem über soziale Medien und Medienpartner verbreiteten Open Call werden jeweils interessierte Bürger, Aktivisten, Designer, Künstler, Wissenschaftler oder Studierende zur Teilnahme mit Projektideen und Diskussionsbeiträgen eingeladen. Jeder Workshop wird von Friedrich von Borries vorbereitet und von ausgewiesenen Experten inhaltlich begleitet. Die Ergebnisse werden öffentlich mit prominenten Gästen aus Politik, Wissenschaft und Kultur diskutiert und anschließend integraler Bestandteil der Ausstellung sein.

Ergänzt werden beide Ausstellungsteile durch eine subjektive Reflexion des bisherigen Werkes von Friedrich von Borries in den beiden Paternoster-Liften. In einem Akt der Schenkung interveniert sein Heteronym, der Künstler Mikael Mikael, in die Sammlung des Museums und in einer perpetuierenden Installation verweist er auf das grundsätzlich Dilemma eines politisch agierenden Künstlers oder Designers, der nie das – vermeintliche – Ziel erreichen wird.

Friedrich von Borries thematisiert in seiner kritischen Ausstellung nicht nur Inhalte wie „Überwachung“, „Selbstverwirklichung“, „Ware“ oder „Markt“ vor dem Hintergrund der Demokratie als schützenswerte und gleichzeitig stets verbesserungswürdige Herrschaftsform. Er stellt im Hinblick auf das Verhältnis von Politik und Design auch die Frage, in welchem Spannungsfeld Designer und Architekten heute agieren müssen, wenn sie politisch verantwortungsvoll gestalten wollen.

Begleitend zur Ausstellung erscheint bei Koenig Books eine Publikation gleichen Titels, gestaltet von Ingo Offermanns. Mit Beiträgen von Moritz Ahlert, Frieder Bohaumilitzky, Friedrich von Borries, Elke Buhr, Clemens Finkelstein, Jens-Uwe Fischer, Achim Hatzius, Christian Hiller, Benjamin Kasten, Anne Levy, Mikael Mikael, Angelika Nollert, Ingo Offermanns, Mara Recklies, Wilma Renfordt, Thomas Schweigert und Olaf Unverzart.

Pinakothek der Moderne, München
Ausstellung
30.11.2018 – 29.09.2019

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