Vortrag:
Ikko Tanaka – Die Symbiose traditioneller japanischer Ästhetik mit der modernen typografischen Gestaltung
Dr. Mariko Takagi
Associate Professor, Donisha Women’s College of Liberal Arts, Kyoto
 In Kooperation mit DNP Foundation for Cultural Promotion, Tokyo
 
Einführung:
Dr. Corinna Rösner, Die Neue Sammlung
Landeskonservatorin / Stellvertre­tende Direktorin
 
Heutzutage spricht man dem japanischen Grafikdesign und der japanischen Typografie einen unverkennbaren Stil zu. Unter Typografie versteht man die Gestaltung mit Schrift, wobei die Buchstaben der gewählten Schrifttype in einem Gestaltungskontext konstant bleiben. Die Wiederholbarkeit der Schriftzeichenform unterscheidet dabei die Typografie von der Kalligrafie sowie von handgezeichneten Schriften. Die Geschichte der Typografie begann im Westen mit der Erfindung Gutenbergs, dem Druck mit den beweglichen Metalllettern. In Japan setzte sich diese Technik erst Mitte des 19 Jahrhunderts durch. Somit ist die Geschichte der japanischen Typografie vergleichbar jung.
 
Japanische Gestalter setzten sich seit den 1930ern mit der Theorie und Praxis europäischer Typografie (»Neue Typographie«) und in der frühen Nachkriegszeit mit der amerikanischen »Modern Typography« auseinander. Wegen ihres komplexen Schriftsystems erkannten japanische Gestalter, dass sie sich von den westlichen Vorbildern lediglich inspirieren lassen konnten, um einen eigenständigen Ansatz zu finden. Eine individuell japanische Interpretation der Typografie als visuelle Gestaltungsform begann sich in den 1950ern heraus zu kristallisieren.
Der Grafik Designer Ikko Tanaka (1930–2002) war einer der treibenden Kräfte dieser Bewegung. Wie kaum ein Anderer setzte er sich mit der japanischen Kunst, dem Kunsthandwerk, der Kultur und der traditionellen Formgebung auseinander. Zugleich bewunderte er die amerikanische zeitgenössische Typografie und pflegte einen engen Kontakt zu amerikanischen Gestaltern seiner Generation. Sein Bestreben war es, eine japanische Formensprache zu entwickeln, die auf die Besonderheit der vier in Japan verwendeten Schriftsysteme (Kanji, Hiragana, Katakana und Romaji, Alphabetschrift im japanischen Kontext) eingeht, um eine japanische Form der modernen Typografie zu definieren. In Japan wurde Tanaka nicht nur für seine gestalterische Arbeit bekannt, sondern galt auch als Spezialist in Bezug auf japanische Tradition und Ästhetik.
 
Um eine Grundlage zu schaffen, beginnt der Vortrag von Mariko Takagi mit einem Abstecher in die Geschichte des japanischen Grafikdesigns, sowie mit einer kurzen Einführung in das japanische Schriftsystem. Anschließend wird sich die Vortragende dem Werk Tanakas widmen und dabei im Konkreten eine Auswahl an Plakaten besprechen. Es werden der Umgang mit Schrift, Motiven, Farbe und Layout aufgeführt, um Tanakas Ansatz des »Übersetzens« der Typografie als westliche Gestaltungsdisziplin in die japanische Ästhetik zu analysieren.
 
Kurzbiografie:
Mariko Takagi ist Typografin, Buchgestalterin und Autorin zahlreicher Bücher zur japanischen Kultur sowie zur Typografie. Seit 2008 befasst sie sich mit der Erforschung der japanischen und chinesischen Typografie. Ihre Doktorarbeit an der HBK Braunschweig widmete sie der visuellen Begegnung zwischen dem Westen und Japan. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Darstellung der Schriftsysteme und der Typografie. Die Deutsch-Japanerin ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, lebte und arbeitete von 2010 bis 2016 in Hong Kong. Zwischen 2013 und 2016 beschäftigte Takagi sich intensiv mit der typografischen Arbeit von Ikko Tanaka. Im März 2017 ist Takagi nach Kyoto gezogen, um an der Doshisha Women’s College of Liberal Arts als Professorin mit dem Schwerpunkt Typografie und Buchgestaltung zu unterrichten und zu forschen. Mariko Takagi versteht sich als Vermittlerin zwischen den (Schrift-) Kulturen.
 
Eine Kooperation des Neuen Museums mit der Neuen Sammlung – The Design Museum
In Kooperation mit DNP Foundation for Cultural Promotion, Tokyo
 
Präsentation. Ikko Tanaka. Plakate aus Japan
 
Vortrag:
Dr. Mariko Takagi: Ikko Tanaka – Die Symbiose traditioneller japanischer Ästhetik mit der modernen typografischen Gestaltung
Donnerstag 07.12.2017, 18:00

Staatliches Museum für Kunst und Design Nürnberg Klarissenplatz, 90402 Nürnberg
Ikko Tanaka, The Discovery of the Kabuki Theater, 1974. Siebdruck.
Für ein Buch über Kabuki-Theater von Tetsunosuke Tomita bei Shirogane Shobo, Tokyo.
© Ikko Tanaka 1974 / licensed by DNPartcom. Foto: Die Neue Sammlung (A. Laurenzo)
Blick in die Präsentation. Ikko Tanaka. Plakate aus Japan
Dr. Mariko Takagi