Das FUTURO-Haus von Matti Suuronen verkörpert besonders markant die Zukunftsvisionen der 1960er Jahre – dem Zeitalter der Raumfahrt, dem sogenannten „Space Age“. Wir stellen hier begleitend zur Präsentation des FUTURO eine monatliche Auswahl an futuristischen, zukunftsbezogenen Designobjekten aus dem Depot vor. Als grundsätzliche Prämisse dient uns dabei die Erkenntnis, dass jedes Zeitalter seine eigenen, durchaus auch unterschiedlichen Vorstellungen von dem hat, was futuristisch, was visionär ist.
 
Objekt im Dezember: Sunball
Designer: Günter Ferdinand Ris (Bildhauer) / Herbert Selldorf (Architekt)
Entwurf: 1969
Produktion: 1969 – 1972
Hersteller: Rosenthal AG (Werk Espelkamp)
 
Man nehme: Kugel, Strandkorb und Breitcord, kombiniere dies mit einer hemmungslosen Begeisterung für extraterrestrische Humanexpeditionen und fertig ist die gartentaugliche Relaxkapsel: der Sunball.
 
Entworfen in den späten 1960er Jahren von einem Bildhauer und einem Architekten steht dieses Gartensofa exemplarisch für das Pop-Design jener Zeit: Runde, raumgreifende Formen in knalligen Farben, made in Kunststoff. Möglich wurde dies mitunter durch das Handlaminierverfahren, eine Technologie, mit der großformatige Kunststoffmöbel aus hoch zugfestem Fiberglas manuell hergestellt werden konnten. Das Tränken von Fasermaterial mit Polyesterharz auf Negativformen war zwar mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden, stellte jedoch hinsichtlich der niedrigen Werkzeugkosten eine optimale Möglichkeit zur Anfertigung von dreidimensional geformten Prototypen und Kleinserien dar.
 
Mit einer Höhe von knapp 160 cm und einer Breite von 170 cm bietet der Sunball bequem Platz für zwei Erwachsene, der einseitig drehbar montierte kreisrunde Abstelltisch hingegen für ausreichend Nüsschen und Salzletten. Mittels seitlich angebrachter Drehscharniere lässt sich das obere Kugelsegment über die untere Schale stülpen, um derart die Cordlandschaft wetterfest zu schützen.
 
Wie bereits bei dem 1963 entworfenen Ball- oder auch Globe-Chair von Eerio Arnio handelt es sich auch hier um ein Hybrid aus Mobiliar und Architektur. Ein Sessel in dem man sich von seiner Umwelt abschotten, zurückziehen, schützen kann. Eine gestalterische Vision, die sich in einer vom Rüstungswettlauf geprägten Epoche in Form von Schutzräumen und der Reihung modularer Architekturelemente widerspiegelt.
 
Der Sunball wurde nur drei Jahre in der Einrichtungskollektion des Porzellanherstellers Rosenthal AG in Espelkamp produziert und angeboten. Bei einem Preis von rund 4.000 DM war er ein nahezu unerschwingliches Gartenmöbel und teurer als so manche Laube.
 
Übrigens: Die in den 1970er Jahren so populäre Talkshow „Der große Preis“, moderiert von Wim Thoelke, bediente sich der Sunball-Ästhetik und platzierte ihre Kandidaten in sogenannten Kandidatenkugeln.
Günter Ferdinand Ris und Herbert Selldorf, Sunball, 1969. Hersteller: Rosenthal AG (Werk Espelkamp). Foto: Die Neue Sammlung – The Design Museum (A. Laurenzo)

Günter Ferdinand Ris und Herbert Selldorf, Sunball, 1969. Hersteller: Rosenthal AG (Werk Espelkamp). Foto: Die Neue Sammlung – The Design Museum (A. Laurenzo)