Das FUTURO-Haus von Matti Suuronen verkörpert besonders markant die Zukunftsvisionen der 1960er Jahre – dem Zeitalter der Raumfahrt, dem sogenannten „Space Age“. Wir stellen hier begleitend zur Präsentation des FUTURO eine monatliche Auswahl an futuristischen, zukunftsbezogenen Designobjekten aus dem Depot vor. Als grundsätzliche Prämisse dient uns dabei die Erkenntnis, dass jedes Zeitalter seine eigenen, durchaus auch unterschiedlichen Vorstellungen von dem hat, was futuristisch, was visionär ist.
 
Objekt im August: Keramikobjekt Gruppe

Designer: Beate Kuhn

Entwurf: 1965
 


Dass futuristische Objekte der 1960er Jahre nicht auf Materialien wie Kunststoff festgelegt waren, beweist die 50 cm hohe und somit recht große Keramikplastik Gruppe von Beate Kuhn aus dem Jahr 1965. Geometrische Formen wie Zylinder, Röhren und Kugeln sind zu einer wagemutigen Architektur zusammengefügt. Während die in sich greifenden Elemente eine instabile Wirkung des Ganzen wecken, gibt das verwendete Material Keramik einen Eindruck von Beständigkeit; ein Verweis auf die Zukunftsvisionen des Jahrzehnts? Ins Auge fällt besonders die starke Dynamik des Objektes, die sich sowohl an dessen Konstruktion als auch an dessen Aufwärtsstreben ablesen lässt. Hatte nicht ein Zeitgenosse Kuhns, der Künstler Jean Tinguely, angesichts der neuesten Entwicklungen in Technologie und Raumfahrt 1959 festgestellt: „Es bewegt sich alles. Stillstand gibt es nicht“?
 
Dabei ist besonders bemerkenswert, dass eine solche Bewegtheit in diesem Falle von einem Keramikobjekt erzeugt wird. Seine Schöpferin Beate Kuhn hat sich bewusst von der traditionellen Gebrauchskeramik abgewandt und die töpferischen Methoden für die Kreation freier, künstlerischer Arbeiten verwendet. Hierdurch hat sie das Fortschrittsdenken des „Space Age“ auf ihre ganz eigene Art in ihr Metier übertragen. In ihrem Werk trifft man immer wieder auf Figuren und Objekte, die Assoziationen mit fernen Welten wecken. Lässt die Formensprache ihrer Gruppe nicht auch an Bauwerke oder Pflanzen auf einem anderen Stern denken?
 
Pinakothek der Moderne, München
Ausstellung. Beate Kuhn. Keramiken aus der Sammlung Freiberger
14.07.2017 – 19.11.2017
Ausstellungsansicht, Beate Kuhn, Gruppe, 1965. Foto: Anna Seibel