Das FUTURO-Haus von Matti Suuronen verkörpert besonders markant die Zukunftsvisionen der 1960er Jahre – dem Zeitalter der Raumfahrt, dem sogenannten „Space Age“. Wir stellen hier begleitend zur Präsentation des FUTURO eine monatliche Auswahl an futuristischen, zukunftsbezogenen Designobjekten aus dem Depot vor. Als grundsätzliche Prämisse dient uns dabei die Erkenntnis, dass jedes Zeitalter seine eigenen, durchaus auch unterschiedlichen Vorstellungen von dem hat, was futuristisch, was visionär ist.
 
Objekt im November: Tischmikrofon
Designer: Gio Ponti
Entwurf: 1930er Jahre
Hersteller: Ducati, Italien
 
Im Windkanaltest würde das Tischmikrofon vermutlich einen sehr geringen Strömungswiderstand bieten – das sieht man.
 
Geformt wie eines der Zeppeline der 1930er Jahre schwebt das Gehäuse des Mikrofons scheinbar schwerelos auf einem rechteckigen Fuß. Dessen Silhouette wiederum ist so geschwungen, daß es an die Karosserie eines sportlich-schnittigen Rennwagens denken lässt.
 
Schnelle Autos und elegante Luftschiffe – das waren die vielleicht populärsten Botschafter der Ästhetik der Stromlinienform, die seit dem Ende der 1930er Jahre nicht mehr nur das Mobilitätsdesign dominierte, sondern bis weit in die folgenden Jahrzehnte zur vorherrschenden Ästhetik (auch von Alltagsgegenständen) und damit zum Inbegriff eines zukunfsgerichteten, futuristischen, aber auch massenkompatiblen Designs wurde.
 
Das Tischmikrofon ist ein relativ frühes und zudem sehr gelungenes Bespiel für die Übertragung der Stromlinienästhetik auf das Design von Gegenständen aus dem Alltagsgebrauch.
Auch wenn der Luftwiderstand bei diesem kleinen Objekt aus Bakelit natürlich keine Rolle spielt, ist es dennoch wie ein idealer Stromlinienkörper geformt – und steht damit sinnbildlich für eine Ausrichtung nach vorn in die Zukunft.
 
Entworfen wurde es von dem italienischen Architekten und Designer Gio Ponti für Ducati.
 
Gio Ponti, Tischmikrofon, 1930er Jahre. Bakelit, braunschwarz. Hersteller: Societá Scientifica Radiobrevetti Ducati, Italien. Foto: A. Bröhan, München